Visuelle Projektpläne

Über viele Jahre habe ich auf diesem Blog visuelle Kreativitäts- und Analysetechniken veröffentlicht, die in der Informatik vorherrschende Formalität, Struktur und Komplexität durch Einfachheit und Flexibilität ersetzt. Z.B. handelte einer meiner ersten Artikel von dem Design Problem Chart, was dabei hilft Legacy-Systeme in ihrer Verstricktheit zu analysieren. Vor einiger Zeit habe ich mich damit beschäftigt, wie man Landkartenmetaphern zur Systemanalyse benutzen kann.

Meine jüngste Idee aus diesem Themenbereich setze ich gerade praktisch bei der Entwicklung eines Produktes ein. Man muss ergänzen, dass es sich zugegebener Maßen um ein eher kleines Produkt handelt. Der Projektplan für dieses Produkt sieht so aus:

VisualProjectPlan

In-the-box-Denker werden meinen: Was hat das mit einem Projektplan zu tun?

Zunächst ist es wohl eher ein Systemdiagramm oder eine Ansammlung von Featurenamen in Rechtecken? Jein. Es ist zunächst das mentale Verständnismodell des Systems. Ich sehe darin v.a. bestimmte Features. Ein Außenstehender muss die einzelnen Punkte ohne Erklärung nicht zwingend verstehen.

Auf dieser Struktur aufbauend ist für die einzelnen Systemteile eine Progressbar mit einer Farbcodierung aufgetragen. Ich sehe z.B. leicht, dass einige Feature bereits grün, d.h. fertig sind, dass aber diese “fertigen” Features durchaus noch Raum für Verbesserungen haben. Andere Features sind orangegelb, d.h. angefangen, aber überhaupt nicht produktiv verwendbar. Andere Features haben keine Farbe und wurden noch überhaupt nicht angefangen.

Ein klassischer Projektplan ignoriert aus meiner Sicht das Vorhandene vollkommen und listet (egal ob grob oder fein) Dinge auf, die zu tun sind. In einem klassischen PERT-basierten Projektplan sind zwar erledigte Dinge durchaus vermerkt, aber das Projekt ist zeitlich geordnet. Offene Dinge sind in der Zukunft angeordnet, erledigte Dinge in der Vergangenheit.Wenn ich jedoch geplante Teile, halbfertige Teile und fertige Teile immer gemeinsam betrachte, dann bewirkt das auch einen Wandel in meinem Planen.

Wie viele Aufgaben erledigt wurden, spielt in obigem visuellen Projektplan keine Rolle, sondern nur was als Ergebnis damit erreicht wurde. Außerdem wird eben neben dem Fortschrittsgrad auch der Qualitätsgrad beurteilt. Ein solches Denken fehlt in klassischen Aufgabengetriebenen Projektplänen vollkommen.

P.S.

Für den Blog habe ich natürlich ein Grafikprogramm benutzt, aber Buntstifte oder Whiteboards tun es auch!