Make me think!

„Don’t make me think!“ ist heutzutage ein weit verbreiteter Slogan im Usability-Bereich.

Nutzer wollen über ein User Interface nicht nachdenken. Beispiele wie der 300 Million $ Button zeigen, dass sie dies auch nicht tun. Die Aufmerksamkeitsspanne ist sehr klein. Bereitschaft zum Denken ist wenig bis gar nicht vorhanden.

Als Entwickler habe ich ein paar Jahre gebraucht, um dies zu akzeptieren. Wenn man es aber einmal getan hat, kann man recht fanatische Einstellungen dazu entwickeln (Don’t make me think! Don’t make me think! Don’t make me think! Uff-ta-Uff-ta-ta).

Aber: wenn man sich dieses Phänomen mal genauer anschaut, kommt es eigentlich aus dem Web-Bereich mit absoluten Gelegenheitsnutzern, wenn nicht gar Einmalnutzern.

Man kann es auch herumdrehen:  Software darf nicht zu einfach sein. Make me think!

Man sollte dabei prinzipiell seine Nutzer im Kopf haben. Wie häufig benutzen diese die Software und mit welcher Motivation? Wenn die Motivation gering ist, dann liegt mit Don’t make me think! richtig. Ansonsten gilt es die Motivation weiter zu befeuern. Das geht natürlich nicht, wenn alles total einfach ist.

Vor gut 2 Jahren habe ich einen Beitrag zu Software Gameplay geschrieben. Da ging es darum, wie ein gut gemachtes Spiel Aufgaben stellt, welche bewältigt werden müssen. Sind gute Spiele einfach? Sicher nicht, denn dann wären sie langweilig.

Eine Software ist dann gut gemacht, wenn man als Anfänger kleine Erfolge erzielen kann und man als Fortgeschrittener immer neue „Herausforderungen“ entdeckt. Eine unübersichtliche UI mit komischen Buttons gehört aber sicher nicht zu den Herausforderungen, die ein Anwender gerne löst.

Aber komplexe Modelle. Schöne komplizierte Methoden, die fragwürdige Ergebnisse liefern, die man als Mensch kaum noch nachvollziehen kann. Das beeindruckt und macht Spaß!

Theoretisch sollten Produkte unwirtschaftlich sein, wenn sie keinen Mehrwert ggü. den einfachen Pendants bieten, aber komplizierter zu bedienen sind.  Aber scheinbar ist auch dies nicht so. Bestes Beispiel dafür ist SAP. In einem bestimmten Teilbereich habe ich selbst Expertenwissen (kurz den Ekel überwinden…ah es geht wieder), was man braucht um die einfachsten trivialsten Aufgaben zu erledigen, z.B. Übersetzen und „Transportieren“ von Standardtextbausteinen, die in UIs und Programmbausteinen benutzt werden. Dieses Wissen findet sich nirgendwo in gängigen Büchern oder gar über Google. NEIN! Das muss man sich von anderen Experten und geheimen SAP-Dossiers zusammenklauben. Das sichert einerseits die Jobs von SAP-Beratern, aber es macht auch zufrieden dieses komplizierte Biest zu beherrschen. Kleine Randnotiz: Vielleicht sind ja deshalb Unternehmen die SAP im Einsatz haben so erfolgreich. Wer das Ding am Laufen hält, der hat’s drauf und ist auch anderswo gut.

Aber zurück zum Text. Selbst vor Konsumenten-Produkten macht gewünschte Kompliziertheit keinen Halt. OK, ist keine Software mehr, aber in diesem Vortrag von Dan Ariely geht es auch kurz darum, dass amerikanische Hausfrauen einen Kuchenteig abgelehnt haben, der zu „einfach“ zu backen war.

Also, Don’t make me think ist schön und gut, aber wieso nicht mal genau das Gegenteil probieren?