Eliminate The Right Waste

Nachdem ich in letzter Zeit eher Programmierer-lastige Artikel verfasst habe, möchte ich mich in diesem Artikel wieder einmal einem Prozessthema widmen.

Im Lean Software Development gibt es die wichtige Säule “Eliminate Waste”. In diesem Artikel möchte ich mich damit beschäftigen, welchen Nutzen und welche Risiken dieses Paradigma birgt.

“Waste” d.h. Unnützes ist im Sinne von Lean Vordenkerin Mary Poppendieck alles was keinen Wert darstellt. An sich eine simple Definition, die aber in der Realität gar nicht so leicht anwendbar ist.

Beispiele für Unnützes:

  • ein ganzes Features, wenn dieses zu einem Zweck nicht benötigt, bzw. am Markt nicht nachgefragt wird
  • eine zu große “Ausbautiefe” von Features, oft als Vergoldung bezeichnet. An sich ist dieser Waste gleich zu einem unnützen Gesamtfeature, nur viel subtiler und schwerer festzustellen
  • eine technische Lösung, die beispielsweise eine Abstraktion oder ein Verhalten realisiert, was für ein Feature überhaupt nicht benötigt wird
  • Organisatorischer Abfall, der bei der Entwicklung der Lösung entsteht, wie z.B. unnütze Dokumente 
  • Tätigkeiten oder Prozesse die während der Entwicklung durchgeführt werden, aber keinen Wertzuwachs im Endprodukt realisieren, beispielsweise Meetings
  • Zu hohe Softwarequalität, wenn dadurch die Kosten steigen (Anders herum betrachtet, kann dies auch bedeuten, dass Crap Software, d.h. instabile mit Bugs übersäte oder völlig unbedienbare Software durchaus nicht unnütz sein muss, wenn sie z.B. zum Verkaufen eines Produktes oder zum Abwickeln eines Prozesses taugt)
Das Paradigma Eliminate Waste sollte man streng genommen noch einmal unterteilen in:
  • Vermeide Unnützes
  • Entsorge Unnützes
Wenn man Unnützes eliminiert, ergibt das viele Vorteile:
  • Kosten sinken (am meisten natürlich bei der Vermeidung)
  • Komplexität sinkt
  • Qualität steigt (schon alleine weil die Komplexität sinkt)

Ich finde an dem Paradigma gibt es grundsätzlich nichts auszusetzen und Eliminate Waste ist somit anzustreben. Nicht umsonst findet es sich auch in vielen anderen Ansätzen wie z.B. dem des Minimum Viable Products wieder, was nichts anderes als Eliminate Waste von Features darstellt. Allerdings finde ich, dass Eliminate Waste durchaus auch Gefahren beinhaltet, worüber ich in Blogs oder Büchern jedoch kaum Hinweise gefunden habe.

Ich finde aber:

  • Zu wenig Unnützes stellt ebenso eine Gefahr dar, wie zu viel Unnützes. Stattdessen ist eine gute Balance gefragt
  • Manchmal ist es effektiver Unnützes zu riskieren statt Unnützes mit hohem Aufwand zu vermeiden

Konkret kann ich mir folgende Risiken vorstellen:

  • Die falsche Identifizierung von Unnützem führt zur Vernichtung von Werten
  • Die Angst vor Unnützem blockiert Kreatives und Neuartiges
  • Die Vermeidung von Unnützem kann selbst auch wieder unnütz sein, wenn sie mehr Aufwand erzeugt als anderes Unnützes einspart

Aus diesem Grund habe ich den Artikel “Eliminate The Right Waste” überschrieben. Die Kunst festzustellen, was wirklich unnütz ist und was es zu entsorgen gilt, muss jede Person und Organisation für sich selbst herausfinden. Eine schwierige, aber lohnende Aufgabe.

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