Cloud = Usability. Eine unrhytmische Abhandlung

Ich bin ein Freund der Verwirrung, da dies verkrampfte Denkbahnen durcheinander wirbelt. Starten wir also ein bisschen Verwirrung. Warum ist die Cloud Usability? Warum ist Cloud gut? Warum ist Usability gut? Ist beides nötig?

Ich denke, dass die Cloud sich durchsetzen wird.Warum?

Nicht, weil das so eine tolle Technik ist. Es ist völlig egal, dass auf einer physischen Maschine nun zig verschiedene Linux-Distributionen parallel laufen können. Es ist auch egal, dass nun alles über das Internet läuft, oder vielleicht sogar über einen Browser. Es ist auch egal, dass Fixkosten von IT-Anschaffungen nun zu variablen Kosten der Unterhaltung werden.

Alles nett für IT-Verspielte, für Browser-Affine und selbst für die Erbsenzähler im Unternehmen, aber letztendlich egal!

Die Cloud wird sich durchsetzen, weil Sie einen wichtigen Beitrag zu einer besseren Usability leistet – aus keinem anderen wesentlichen Grund!

Cloud-Lösungen haben immer einen niedrigeren Installations- und Einrichtungsaufwand als On-Premise-Lösungen und dies bringt Punkte für die Usability. Viele Anbieter nutzen den Vorsprung und versuchen diesen auch an anderen Stellen auszubauen.

Warum ist denn nun Usability so verdammt wichtig?

Softwareentwicklung ist schon lange keine frische Branche mehr. In vielen Bereichen sind wir eine reife Branche. Viele Entwickler mögen es nicht hören: unsere Technologie ist ausgereift. Wenn wir jetzt technologisch stehen bleiben würden, könnten wir für Jahrzehnte sehr gute Anwendungssoftware erstellen.

Heutige Prozesse wie Agile oder Lean, Techniken wie TDD, IoC oder DDD sind verglichen mit den Quantensprüngen wie OOP, SQL oder Client / Server oder Multithreading gar winzige Verbesserungen. (Benutzt diese Techniken, aber ohne die Basistechniken wie TCP werden diese euch nichts nützen! Anders herum schon.)

In einer reifen Branche sind klare Strategien in Bezug auf Preise und Produktnutzen gefragt. Ob ich den mit Windows Azure, Google App Engine oder doch mit ASP.NET 1.1 auf einem Windows Server 2003 erbringe, ist dem Kunden eigentlich völlig egal. Und wenn man sich über den Kernproduktnutzen Gedanken macht, gelangt man eben unwiederuflich zur Usability.

Ich mag keine formale Definition von Usability geben. Aber es ist eine Mischung aus 1) „Das Produkt ist geil“ und 2) „das war alles Software? Habe ich gar nicht bemerkt“, also 1) Spaßfaktoren und 2) die Realisierung von Hygienefaktoren, die dem Nutzer gar nicht mehr bewußt sind.

Man kann vielleicht nicht feststellen, ob eine Software eine gute Usability besitzt. Anders herum geht das aber. Man merkt einfach nach 20 Sekunden ausprobieren, ob eine Anwendung „grottenschlecht“ zu bedienen ist.

SAP R/3 ist so ein typischer Moloch, der fast alles falsch macht, was man in Sachen Usability falsch machen kann.

Hinter einer einfachen Aktion steht natürlich dort eine sehr hohe Komplexität. Die hat sicher auch ihre Berechtigung. Leider wird diese Komplexität 1:1 an den Nutzer weitergeleitet und nicht gut genug linearisiert.

Bspw. gibt es in SAP-Belegen (z.B. Bestellungen, Aufträge, …) Partnerrollen. Ein Beleg kann einen Auftraggeber, einen Rechnungsempfänger, einen Regulierer (so ein Beispiel für heftige Business Logik) und noch ein paar andere Sachen haben.

In SAP ist dies natürlich mit dem Klassiker, der Tabelle, umgesetzt:

 

Das ganze Ding ist kognitiv echt anstrengend. Was sehen Sie da in < 1 Sekunde? Ich nichts. Ich benötige als geübter Nutzer 5-10 Sekunden, um alle Informationen zu verarbeiten und einzuordnen. Aha das ist ein ganz einfacher Beleg: Auftraggeber, Rechnungsempfänger und Regulierer sind alle gleich, d.h. hier gibt es nichts zu beachten. Alles ganz einfach.

Hier das selbe mit meinen bescheidenen UI-Fähigkeiten, kognitiv etwas optimiert:

Ich erkenne in 0,1 Sekunden, dass dies hier ein Beleg ist, wo nur eine Firma involviert ist und ich erkenne sogar in < 1  Sekunde den Namen der Firma, also die etwas wichtigere Information gegenüber der Adresse.

Ein richtiger Usability Engineer bekommt das sicher noch etwas besser hin, aber ich denke man kann die Richtung erkennen.

Was hat das mit der Cloud zu tun?

Nichts.

Zumindest nicht direkt. Wer sich über Usability Gedanken macht, macht sich Gedanken über die UI, wie in diesem grässlichen SAP-Beispiel. Aber Usability hat primär nichts mit UI Design zu tun!

Vielmehr ist Usability das Denken in Produktnutzen. Das ganze Bla Bla vom kundenorientierten Unternehmen lassen wir mal außen vor. Usability kann durch viele Produktmerkmale erreicht werden. Ein kleiner Einzelhändler aus einem nicht-DSL-versorgen Gebiet würde sicher „kotzen“ (die schlechtmöglichste Reaktion auf ein Anwendungsdesign), wenn sich seine Registrierkasse bei jedem Kassiervorgang 30 Sekunden über die „Cloud“ synchronsieren würde, weil die Kasse das Nutzungsverhalten der einkaufenden Rentner gleich auf mobile Geräte synchronisiert und der Rentner online auf seinem Kühlschrank erkennen kann, was er gerade eingekauft hat. Sicherlich wäre der Einzelhändler ebenso nicht erfreut, wenn er zum Betrieb der Kasse für 100€ pro Monat eine schnelle Internetleitung mieten müsste, damit alles reibungslos funktioniert.

UI Design wird nur oft mit Usability verbunden, weil es halt dort am offensichtlichsten ist.

Cloud Computing (in allen Ausprägungen) kann für viele Kunden zu einer besseren Usability beitragen, da eben viel technischer Kram von Profis gemacht wird. Aber nicht Cloud Computing ist dem Kunden dann wichtig, sondern bestimmte Eigenschaften des Produktes, die duch Cloud Computing zu Stande kommen.

Und so schließe ich diesen Post jetzt,  um Platz für eigene Überlegungen zu lassen. Cloud = Usability?