Die 4 Ausbaustufen von Feature Usage Tracking

Das Sammeln von Nutzungsstatistiken über die eigene Software - das Feature Usage Tracking – kann man denke ich in 4 Stufen unterteilen. Auf einer dieser Stufen müssen Sie gerade stehen!

Stufe 0 – Nichts wissen

Sie wissen, wie viele Produkte Sie verkauft haben. Vielleicht wissen Sie, wie oft Ihr Produkt in dieser oder jener Version heruntergeladen wird, aber eigentlich stellen Sie fest: Ich weiß gar nichts über meine Nutzer!

Diese Stufe ist definitiv nicht gut und Sie sollten nicht zu lange hier verweilen!

Das einzige positive an dieser Situation ist: Diese Handhabe verursacht keine Kosten.

Stufe 1 – Etwas wissen

Wenn Sie mittels entsprechender Software ein paar Fakten über Ihre Nutzer wissen, z.B. welche Betriebssysteme benutzt werden, wie oft die Software gestartet wurde, dann wissen Sie etwas über Ihre Software und Nutzer. Dies ist schon ein sehr guter und richtiger Schritt und eigentlich auch der wichtigste mit einem exzellenten Nutzen/Aufwand-Verhältnis, denn solche Informationen automatisch zu erheben und auszuwerten verursacht quasi keine Kosten. 10 Minuten im Monat zur Auswertung reichen vollkommen aus!

Wenn Sie auch wissen, welche Features sehr selten genutzt werden, dann sind Sie schon sehr weit!

Stufe 2 – Alles wissen

Angetrieben von der Begeisterung der Auswertungsmöglichkeiten neigen wir dann leider zu einem Extrem – wir wollen alles wissen!

Wie alt sind meine Nutzer? Wie groß sind Dateien meiner Nutzer, die Sie in der Upload-Funktion hochladen? Wie viele PDFs werden bei der Upload-Funktion benutzt? Und wo wir schon dabei sind: Wie viele PDFs mit überdurchschnittlicher Größe werden im Alterssegment mit dem meisten Einkommen hochgeladen?

Die Grenze zwischen nützlichen Auswertungen und Unsinnigen ist leider nicht starr. Und alle Auswertungen haben einen Wert. Unbestritten. Nur können wir die Höhe des Wertes nur schwierig bestimmen. Dazu kommt der enorme Aufwand der Auswertung. Das Sammeln der Daten ist ja automatisiert und verursacht maximal ein paar Hardware-Kosten für Storage und CPU, aber die wirkliche Investition ist Ihre Zeit, die Sie für die Auswertung benötigen – und die kann enorm werden!

Somit erstellen wir dann vielleicht sofort eine Position, die von einem dedizierten Mitarbeiter erfüllt wird. Auf diesem Level ist die Auswertung nur für große Firmen möglich. Ob dies nützlich ist, ist übrigens etwas ganz anderes.

Tun Sie sich einen Gefallen – wollen Sie nicht alles wissen!

Wenn Sie ein Entwickler sind, verbringen Sie Ihre Zeit lieber mit Refactorings des Codes oder einem Coding Dojo, wenn Sie im Marketing sind, denken Sie lieber über die Konkurrenz oder eine Slogan nach und wenn Sie ein Produktmanager sind, machen Sie lieber ein Brainstorming über neue Features, Nutzergruppen oder was auch immer.

Alles wissen zu wollen ist nützlich, aber es gibt Nützlicheres!

Stufe 3 – das richtige Wissen

Zusätzlich zu den absoluten Basics des Feature Usage Trackings, kann es ja nach Applikation nützlich sein einige ausgewählte (die Betonung liegt auf ausgewählte) weitergehende Statistiken zu erheben.

Das ist die absolute Königsdisziplin. Viel zu oft wird versucht gleich von 0 auf Stufe 3 einzusteigen (leider zu oft auch in Stufe 2).

Wenn Sie wissen, dass Feature A nur 10% aller Nutzer benutzen, es aber z.B. 80% der Kosten verursacht, dann sollten Sie dieses Feature etwas genauer untersuchen.

Wird es von verschiedenen Nutzergruppen genutzt? Wird es unterschiedlich intensiv genutzt?

Bauen Sie noch ein paar Statistiken ein, aber übertreiben Sie es nicht. Versuchen Sie doch mit gezielten Umfragen hier etwas zu ermitteln oder entscheiden Sie dann einfach aus dem Bauch. Fakten + Bauchentscheidung ist OK. Nur ganz ohne Fakten ist nicht OK!

Blog-Serie

Ich werde regelmäßig Beiträge zum Theme Feature Usage Tracking veröffentlichen, denn ich denke dass es sich um ein unterrepräsentiertes Thema handelt, dass mehr Öffentlichkeit verdient!